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... und welche Beute jagt dich?

Könnt ihr euch meinen Bruder Merlin als Wikinger vorstellen? Als er noch ein junger Heißsporn war (heute ist er ein Heißsporn im besten Mannesalter), hat er für Britta mal ein Wikinger-Model gespielt. Schaut mal selbst:

Passt doch, oder? Aber was macht er da? Pass auf.

Erste Frage: Was macht ein Hund an Land? Dasselbe wie ein Mensch. Er jagt hinter allem her, was ihm vor die Nase kommt. Er jagt zum Beispiel Kaninchen, nur weil sie da sind. Ich für mein Teil jage außerdem gern Motorräder und Hubschrauber - weil sie so einen tollen Sound haben, der mir direkt am Gehirn vorbei ins Laufwerk fährt.

So, und was ist, wenn ein Mensch auf einmal merkt, dass er hinter allem herjagt, was da ist? Ohne dass er das eigentlich will, und ohne dass er damit aufhören kann? Dann könnte man ihn zum Beispiel auf ein Schiff sperren, das von Kiel nach Oslo fährt. Da kann er eine Weile nicht weg. Und was soll ihm das nützen? Ich komme gleich darauf. Wegen Kiel-Oslo haben wir damals Merlin als Wikinger verkleidet. Und: weil es ums Erobern geht. Aber zum Erobern sind natürlich weder Kiel noch Oslo zwingend nötig. Und auch kein Wikinger-Outfit.

Guck dir also einen ganz normalen Hund an, hier dargestellt von meinem Wikingerbruder (grins).

Merkst du was? Es sind immer mehr Kaninchen da, als du fangen kannst. Fällt dir noch was auf? Als Einzelkämpfer wird er nix. Der vernünftige Hund jagt im Rudel. Der vernünftige Mensch jagt auch im Rudel. "Kooperation" nennt man das, und "Win-Win", wenn am Ende jeder was abkriegt. Vernünftige Menschen wissen das, aber welcher Mensch ist schon vernünftig. Egal: die Methode, die unser Wikingerhund da vorstellt - was glaubst du, wohin die führt? Na klar:

Am Ende bist du platt, und es sind immer Kaninchen übrig, die dich angrinsen. Hast du das schon mal erlebt? Mein Herrchen kriegt es fertig, dass sein Schreibtisch ihn angrinst. Das ist schon eine besondere Leistung. Nicht der Schreibtisch grinst natürlich, der ist in solchen Zeiten gar nicht mehr zu sehen. Sondern die verschiedenen Halden und Wanderdünen, die langsam zu Datenfriedhöfen mutieren, und das freundliche "Sortier mich!" verwandelt sich zügig in ein hämisch-dämonisches Gelächter ... schon gut, Herrchen, ich petze nicht weiter. Schreib, und dann gehen wir gleich aus.

Also: wenn du sowieso schon platt bist, könntest du die Gelegenheit nutzen und darüber nachdenken, ob du mit derselben Jagerei nicht immer auf dieselbe Nase fällst. Wenn du nicht mehr ganz so platt bist, und ein neues Kaninchen kommt vorbei, verschwindet dein Gehirn sowieso gleich wieder ins Tatzentriebwerk. Es sei denn ...

Es sei denn, du tust das, was jeder gesunde Hund Dreiviertel des Tages tut: du denkst in Ruhe über die schönsten Dinge des Lebens nach. Als Mensch zum Beispiel darüber, was dein Leben lebenswert macht. Dann merkst du, wie du dich darum betrügen lässt. Von welcher Beute du dich immer jagen lässt, ohne sie am Ende wirklich einfangen und genießen zu können. Menschen denken aber nicht einfach so von selbst nach. Und deshalb haben wir ihnen mit Hilfe meines Wikinger-Bruders ein Seminar auf einem Schiff angeboten. Damit sie ein Weilchen nicht ausbüxen und - wie die Wikinger - sich das erobern können, was sie wirklich wollen. Und wenn sie genau wissen, was sie wollen, kann nicht jedes hergelaufene Kaninchen sie unter Strom setzen und ablenken.

Merlin hatte dann noch eine Super-Idee. Guck mal:

Verstehst du das? Wenn du eine Möhre ausgräbst, die so groß und attraktiv ist, dass die Kaninchen sie einfach haben müssen ... dann kannst du dich als Hund einfach hinsetzen und warten, bist du umringt bist von motivierten Kaninchen, die sich nichts anderes wünschen als in deiner Nähe zu sein. Weil du die Supermöhre hast. Ein Bild für die Götter!

Zugegeben, ich habe noch von keinem Hund gehört, der das ernsthaft versucht hätte. Wir sind ja nur Tiere. Und außerdem ist das Jagen gesund für die Kaninchen. Sonst kriegen die am Ende noch Übergewicht wg. Bewegungsmangel, und wer ist schuld? Der Hund! Aber wenn du gerade hinter irgend etwas herjagen solltest, ohne daran Spaß zu haben, dann probier doch mal die Wikinger-Methode: Auszeit nehmen, in See stechen (Tapetenwechsel), rausfinden, was du wirklich möchtest. Und dir das dann erobern.

Und dann denk doch mal drüber nach, wem du es gönnst, dass er sich ab jetzt an deiner Stelle von seiner Beute jagen und platt machen lassen darf. Wir wollen das ja niemandem verbieten. Schon, weil Zugucken so lustig ist.

Sehen wir uns am Strand? Oder vielleicht auch in Oslo. Herrchen, ausgehen!
 


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