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ICH-AG auf EGO-TRIP:
Happy Future!

Vor einiger Zeit ist mir ein Brief zugespielt worden, und ich habe auf manchem Spaziergang überlegt, ob ich ihn euch zeigen soll. Ich bearbeite ihn ein bisschen, und ihr könnt dann ja selbst herausfinden, was von mir ist und was tatsächlich so geschehen sein könnte (ein Hund, der Böses dabei denkt)! Vielleicht habt ihr ja Lust, mir von ähnlichen oder ganz anderen Erfahrungen zu erzählen.

Als Hund und Rudeltier interessiert mich natürlich diese Geschichte mit den ICH-AGs. Mein Tipp an die Menschen, die sich so viel auf ihre Einzigartigkeit einbilden und dabei jetzt schon - laut Werbung - "essen fürs Ich" müssen (Ego, stay hungry!): wenn du rausfliegst und sie dich nicht mehr wollen, dann fang nicht an, plötzlich alles alleine zu machen. Im Rudel geht vieles leichter - vorausgesetzt, die einzelnen Rudelmitglieder sind stark. Stark und trotzdem in der Lage, ihre Eigeninteressen zurückzustellen, ihre Kräfte zu koordinieren und dem Leittier zu folgen. Natürlich dürfen dann auch alle aufpassen, ob das Leittier seinen Job wirklich gut macht!

zeetah steht das wasser bis zum hals

Jetzt kommt meine Geschichte: Stellt euch vor, da wird eine Firma aufgekauft, sagen wir, zum 1. Juli, weil ihr das Wasser bis zum Hals steht. Natürlich kann keiner was dafür, aber: Die alte Firma X gibt es dann nicht mehr, einzelne Bereiche und Abteilungen werden von der neuen Firma Y weiter geführt. Erstmal sind alle froh, dass der Konkurs abgewendet werden kann, aber keiner weiß, wie es weiter geht. In solchen Zeiten wünscht man sich starke Vorgesetzte, die den eigenen Stress der Ungewissheit tragen helfen.

Hier ist ein leuchtendes Beispiel, sagen wir ein Bereichs- oder Abteilungsleiter. Er verabschiedet sich, im Februar, von seinem Team mit folgendem Anschreiben:

"Vor einiger Zeit habe ich Ihnen ja bereits mitgeteilt, dass ich zum 30. Juni meine Arbeit in der Firma X aufgebe, um mich selbstständig zu machen. Ein eigenes Unternehmen braucht Zeit, Kontakte müssen geknüpft und einige Weiterbildungen absolviert werden.

Deshalb werde ich ab dem 1. März nicht mehr so oft anwesend sein. Viele Dinge, die jetzt zur Regelung anstehen, betreffen die Zeit nach dem 1.07. und gehen somit in die Entscheidung der Y-Geschäftsleitung über. Alle Angelegenheiten, die das laufende Jahr betreffen, werden von meinem Stellvertreter, Herrn Z., bearbeitet bzw. mit der neuen Geschäftsführung koordiniert.

Aber ab und zu bin ich ja noch hier: der Keller muss noch aufgeräumt werden, einige Verträge bezüglich der Fusion müssen abgeschlossen werden, die Bilanz des Vorjahres muss verabschiedet werden, usw. - Aber, wie gesagt, für den Alltag ist Herr Z. zuständig.

Ich möchte mich an dieser Stelle schon einmal bei Ihnen allen für die konstruktive und gute Zusammenarbeit bedanken. Vieles war anstrengend, hauptsächlich das Auf und Ab, das mit den politischen Entscheidungen verbunden war, die uns betrafen. Spaß gemacht hat mir die Zusammenarbeit mit Ihnen; ich habe vieles gelernt, was ich jetzt in meinem neuen Beruf gut anwenden kann.

Freundliche Grüße - N.N."

zeetah - wer sonst?

Ihr dürft tippen, wieviel davon sich ein einfaches Hundegehirn ausdenken kann. Auch wenn es rudeltrainiert und so gut entwickelt ist wie meins (danke, Herrchen, dass du mir immer wieder Briefe wie diesen zur Bearbeitung und zum anschließenden Zerbeißen überlässt). Überlegt mal, wie motiviert ein Rudel wohl (gewesen) ist, einem solchen Leittier zu folgen. (Oder, was dabei rauskommt, wenn sie es tatsächlich getan und vielleicht nicht exakt die Tat, wohl aber einfach den Geist übernommen haben, der uns da entgegen weht ... ). Grins oder jaul? Das ist hier die Frage. Was mir im Text noch fehlt, ist die Bitte an die Mitarbeiter, auf einen gewissen Prozentsatz ihrer Bezüge zu verzichten, damit dem doppelbelasteten ausscheidenden Chef sein in den letzten Monaten erhöhtes Arbeitspensum entgolten werden kann - denn schließlich verbringt er jetzt nicht nur mehr Zeit mit Arbeit, sondern hat für seine anstehenden Fortbildungen auch noch zusätzliche finanzielle Belastungen zu verkraften.

Mit Ich-AGs wie dieser demnächst-selbstständigen Führungskraft ist mir für die Zukunft nicht bange. Vor allen Dingen nicht für meine - zusammen mit einigen Rudelkollegen arbeite ich gerade einen BusinessPlan für eine Consulting-Firma aus, mit der wir demnächst an den Markt gehen werden. Zielgruppe sind Zweibeiner, die von allen guten Geistern verlassen sind. Schon jetzt bieten wir an: Management by Common Sense (wird aber teuer!), als Weiterführung Management by Personal Example (Achtung, gehobenes Niveau = gehobene Preise!). Allen Einsteigern empfehlen wir allerdings eindringlich, die Basic Unit vorzuschalten: Introduction into Laws of Nature. Gegen Aufpreis sind wir unter Umständen bereit, gelegentlich in deutsch zu bellen.

Bis dahin - lasst es euch so richtig gut gehen! Esst fürs Ego, bis es platzt!


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