So soll Arbeit Spaß machen
Auszüge aus einem Bericht von Mirjam Mahler
in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" vom 14. Februar 2002

"Unternehmenskultur hat eine Firma, wenn die Mitarbeiter nicht morgens mit Magenschmerzen aufstehen und denken: Jetzt muss ich wieder in diesen Laden." Bei Wolfgang Scherrer, Seniorchef der Druckerei Scherrer, kommt diese Definition wie aus der Pistole geschossen. Als er 1960 den Familienbetrieb im Stadtteil Mitte von seinem Vater übernahm, übernahm er auch dessen Prinzipien. Eines lautete: sich um die Mitarbeiter zu kümmern. Das konnte heißen, für Mitarbeiter mit Gesundheitsproblemen einen Facharzt zu suchen - und den auch zu bezahlen, falls es kein Kassenarzt war. Oder jemandem, der nach einer Scheidung auf einem Berg Schulden saß, einen Kredit anzubieten. Oder mit einem neuen Mitarbeiter, der aus dem Gefängnis entlassen worden war, loszuziehen und ihm eine neue Garderobe zu kaufen. Scherrers Söhne Dirk und Frank, seit 1996 in vierter Generation Chefs der Druckerei, haben diese Einstellung bewahrt: "Wir wollen eine Firma, in der sich Menschlichkeit und Wirtschaftlichkeit nicht ausschließen."

Unternehmenskultur wird immer wichtiger, da sind sich Fachleute einig. Alle Faktoren, durch die sich die Beschäftigten mit ihrem Betrieb identifizieren, spielen dabei eine Rolle. Friedel Ahlers, Assistent am Institut für Unternehmensplanung an der Universität Hannover hat Beispiele dafür, welche neuen Wege Unternehmen in den vergangenen Jahren eingeschlagen haben. "Vertrauenskultur" nennt Ahlers es, wenn Mitarbeiter immer mehr Verantwortung erhalten. "Wenn ich 20 Informatiker führen will, kann ich nicht alles selber wissen, sondern muss Vertrauen in das Wissen und die Entscheidungen meiner Leute haben - das fällt allerdings vielen Vorgesetzten noch schwer." An mehr Freiräume und daran, ohne detaillierte Vorgaben zu arbeiten, müssten sich jedoch auch viele Beschäftigte erst noch gewöhnen, betont der Wissenschaftler.
 

Beispiel: Tina Voß Zeitarbeit - Obst und Massage

Dass in allen Räumen frisches Obst und Getränke bereit stehen, ist bei der Firma Tina Voß Zeitarbeit GmbH im Pelikanviertel eine Selbstverständlichkeit. Und als die Mitarbeiterinnen über Rückenverspannungen klagten, engagierte die Chefin kurzerhand einen Masseur, der alle zwei Wochen für einen Tag in die Büros kommt.

Vor gut fünf Jahren hat Tina Voß ihre Firma gegründet. 2001 hat sie rund 5,5 Mio. € Umsatz gemacht. "Eine gute Unternehmenskultur ist für mich der wichtigste Faktor", sagt die 32-Jährige. "Wenn alle zufrieden sind und sich entwickeln können, kommt der Umsatz von allein." Bei 60 bis 75% der kaufmännischen Beschäftigten, die ihre Firma vermittelt, wird aus der Leiharbeit ein fester Arbeitsplatz. Das bedeutet für Voß, für neue Aufträge ständig neue Mitarbeiter gewinnen zu müssen.

Für jeden neuen Mitarbeiter erhalten ihre Vermittlerinnen eine Provision. Zu einem guten Klima sollen auch das gemeinsame wöchentliche Frühstück und die flexiblen Arbeitszeiten beitragen: Die Vermittlerinnen können sich für eine Wochenarbeitszeit von 20 bis 40 Stunden entscheiden und ihre Arbeitspausen selbst festlegen. Wer sich ein Auto oder eine Reise gönnen möchte, erhält von der Chefin ein Arbeitgeberdarlehen: bis zu € 2.500 zinsfrei.

Zweimal im Jahr lädt Tina Voß die im Schnitt gut 200 Mitarbeiter zu einer Betriebsfeier ein. "Das ist Marketing", sagt sie sachlich, stutzt dann einen Augenblick und strahlt: "Und außerdem macht es einen Heidenspaß!"


Weitere Beispiele aus diesem Beitrag finden Sie
in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, Nr. 38, 14. Februar 2002, Seite 17.

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