Mängel in Vorzüge verwandeln
- Gustav Großmann -

Mängel der verschiedensten Art sind selten ernstliche Erfolgshindernisse.
Viel eher sogar Erfolgsvorbedingungen.
Die Vollbringer der größten Leistungen
hatten meist mit übernormalen Schwierigkeiten zu kämpfen.
Mängel, Nöte, Leiden, Gefahren und Qualen sind es,
die solche Taten und Leistungen geradezu erpressen.

Die Biologen behaupten,
dass der Mensch von Natur aus für den Kampf ums Dasein
am schlechtesten ausgerüstet wäre.
Ihm fehlt die Kraft des Löwen,
ihm fehlen die Krallen des Tigers,
das Gebiss des Raubtiers.
Seinen Feinden kann er nicht mit Schnelligkeit davoneilen
wie Gepard und Strauß.
Es ist ihm unmöglich,
in die Lüfte, ins Wasser, auf Bäume oder in den Boden zu flüchten.

Sie behaupten, gerade diese Mängel wären es gewesen,
die ihn dauernd zur Entwicklung seiner Fähigkeiten
gezwungen hätten.

Wie in der Entwicklung der Menschheit,
so ist es auch in der Entwicklung des Individuums.

Ob es wohl überhaupt je ein Genie gegeben hat,
das anders zum Genie geworden ist als durch das andauernde Bemühen,
Mängel in Vorzüge zu verwandeln?

Der Mensch, den die Natur mit geringen Vorzügen ausgestattet hat,
ist ja gezwungen, andere Werte zu bieten,
will er seinem glücklicheren Mitbewerber nicht unterliegen.
Und um diese Vorzüge bieten zu können, muss er sie erwerben;
durch diesen Erwerb wird er stark, wird er seinen von der Natur glücklicher begabten Mitmenschen überlegen.

Wer davon abgehalten wird, sich im Ringen um Erfolge zu bemühen,
der bleibt schwach.


 

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